OB DAS GUT GEHT ?

Warum zerbricht sich eigentlich jedermann den Kopf darüber, wie lange eine Beziehung wohl bestehen kann, wenn der ältere Partner in dieser Zweisamkeit weiblich ist? Der umgekehrte Fall ist gesellschaftlich durchaus akzeptiert und entspricht der Norm, gleichgültig wie groß der Altersunterschied ist Ein Mann, welcher eine wesentlich jüngere Partnerin hat, steigt im Ansehen. Eine Frau deren Lebensgefährte jünger ist als sie selbst, wird in den harmlosesten Fällen von der Seite angesehen. Offenbar macht sich kaum jemand Gedanken, dass Liebe doch nicht vom Lebensalter oder vom Altersunterschied der Partner abhängig ist. Die ersten Menschen, die ein Kind liebt, sind seine Eltern und da ist die Differenz schon sehr groß.
Diese Kindesliebe ist aber gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, nein, sie wird sogar vorausgesetzt und entspricht dem Idealbild.

Betrachten wir dieses Thema einmal etwas satirisch unter dem Blickwinkel der verbreitetsten Irrtümer.

Mein Mann ist einige Jahre jünger als ich. Selbstverständlich war der Ausgangspunkt für unsere Zuneigung und Partnerschaft die Tatsache, dass ich unbedingt meine Muttergefühle an ihm auslassen wollte. Tätigkeiten wie seine Haare waschen oder Nägel schneiden, ausschließlich allein für sein körperliches und geistiges Wohl zuständig zu sein, würden mein Leben enorm bereichern und mein Selbstbewusstsein in schier ungeahnte Höhen wachsen lassen. Unsere Familie hat sich mittlerweile um zwei Kinder vergrößert, aber das ändert natürlich nichts daran. Mein Mann wird weiterhin genauso bemuttert wie unsere Kinder, nur Hausaufgaben muss ich mit ihm nicht mehr machen. ;-))) Jeder Mann würde es doch sicher genießen keinerlei Verantwortung tragen zu müssen und alles der angetrauten „Ersatzmama„ zu überlassen. Wer bliebe schließlich nicht gerne auf dem sozialen Niveau eines Kleinkindes stehen, selbst wenn die eigenen Kinder es schon überwunden haben Ich kann richtig den Chor der Stimmen hören, dass dem doch nicht so wäre Dieser Meinung bin ich allerdings auch, aber warum wird es dann Paaren dieser Altersstruktur unterstellt?

Was gibt es noch an dümmlichen Vorurteilen zu diesem Thema?

Ach ja. Männer wollen durch die Beziehung zu älteren Frauen zu mehr Erfahrung in gewissen Bereichen des Zusammenlebens gelangen. Also, was das betrifft würde ich annehmen, dass der Medienmarkt mit diversen Ratgebern in dieser Richtung schon so gut bestückt ist, dass Man(n) sich, um hierin seine Kenntnisse zu erweitern, nicht unbedingt einer älteren Lehrmeisterin bedienen muss.

Er wird sich irgendwann eine jüngere Frau suchen. Das kann auch in Partnerschaften vorkommen, in denen die traditionelle Altersverteilung vorherrscht. Außerdem, im gleichen Maß wie eine Frau altert, passiert das auch den Männern, selbst sie unterliegen den gleichen biologischen Abläufen, auch wenn sie das manchmal nicht glauben wollen. *fg*
So eine Beziehung kann nicht gut gehen, bei solchen Unterschieden. Für welche Beziehungen gibt es eigentlich überhaupt Garantien für lebenslanges Zusammenleben? Machen nicht gerade die Unterschiede den Reiz von Gemeinschaften aus? Wieso soll die Anzahl von Jahren welche Frauen älter sind sich negativer auf die Zerbrechlichkeit von Gemeinschaften auswirken, als derselbe Altersunterschied, wenn der Mann der ältere Partner ist.

Immer wenn ich diese Argumente höre, kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, jene Menschen welche sie vorbringen stellen sich eine Lebensgemeinschaft zwischen einem jüngeren Mann und einer älteren Frau folgendermaßen vor. Nachdem am Morgen der Wecker geläutet hat, springt die weibliche Hälfte dieser Beziehung aus dem Bett und beginnt ihr Tagewerk mit der Zubereitung des Frühstückes für ihren männlichen Pendant. Nachdem sie ihm sein Gewand bereit gelegt hat, streicht sie ihm liebevoll über sein gelocktes Haupthaar und weckt ihn mit einem Kuss. Beim Frühstück schenkt sie ihm den Kaffee ein, rührt in der Tasse um und streicht ihm seine Semmel. Nach dem morgendlichen Mahl begibt sich der junge Mann ins Badezimmer, wo alle für die Morgenhygiene nötigen Utensilien griffbereit auf ihn warten. Danach verlässt er das Haus um sich die rauhe Luft des Erwerbslebens um die Nase wehen zulassen. Währenddessen bemüht sich seine Lebensgefährtin nebst ihres normalen Arbeitsablaufes das Heim für seine Heimkehr wieder vorzubereiten. Kommt er am Abend müde nach Hause wird er natürlich sofort wieder liebevoll umsorgt, bekocht und bemuttert. Den Abend verbringen die beiden entweder aushäusig bei diversen Freunden und Vergnügungen, schließlich will ein so junger Mensch ja auch unterhalten sein, oder schweigend vor dem Fernseher. Was sollten sich zwei derartig unterschiedliche Menschen, die im Grunde nicht zusammenpassen auch mitzuteilen haben. ;-)))

Zu gegebener Zeit wird das Schlafgemach aufgesucht, und jetzt verwandelt sich die tagsüber so fürsorgliche „Mutter„ zumindest in der Phantasie einiger Zeitgenossen in einen wahren Vamp, welcher über die Verführungskünste sämtlicher jemals lebender Hetären verfügt.
Sollten sich in so einer Beziehung Kinder einstellen würde eine verständnisvolle Partnerin von ihrem Mann natürlich niemals verlangen, dass er plötzlich Vaterstelle einnimmt. Nein, mit Sicherheit würde sie auch weiterhin freudig ihr „Großkind„ mitversorgen, wissend oder hoffend, dieses älteste ihrer Kinder würde ihr bleiben.

Wie sieht es nun tatsächlich in solchen Beziehungen aus?
Genauso wie in allen anderen Partnerschaften auch, welche aus Zuneigung entstanden und aufgrund von gegenseitiger Liebe bestehen, ungeachtet des Alters oder irgendwelcher anderer externer Einflüsse. Der äußere Unterschied zwischen Partnern die sich mögen,(gleichgültig ob es sich um Alter Größe, Aussehen usw. handelt) mag ein Thema für Außenstehende sein, für die beiden die es eigentlich am ehesten betrifft, ist es keines.

Ob Lebensgemeinschaften bestehen bleiben oder auch nicht, steht für jedes Paar in den Sternen. Aber am wenigsten sollte man seine Partnerschaft von der Meinung seiner Umwelt abhängig machen. Vorverurteilende und dümmliche Aussagen zu ignorieren ist eine gute Basis dafür dass es gut geht.

 

 

Diesen Artikel hat mir vor einigen Jahre meine Freundin Biggy geschenkt. Gestern jährte sich zum zweiten Mal ihr Todestag.

Ich denk an dich, Biggy !

 

2.8.07 15:25

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


sofferl (2.8.07 19:38)
ein artiekl, der es gut auf den punkt trifft.
sag, hat biggy nicht auch im forum mitgeschrieben?
mir ist ein schauer über den rücken gelaufen als ich deine widmung unter dem artikel las.

lg, sofferl


Nadja / Website (2.8.07 21:47)
Ich denke es ist an vielen Stellen und Situationen wichtig, den "Richtlinien" der Gesellschaft zu Trotzen. Warum sollte man sein eigenes Glüch der Gesellschaft opfern? ...Vielen Dank für dein Besuch bei mir....!


Peggy / Website (2.8.07 23:19)
@ sofferl
ja Biggy hat im Forum mit geschrieben und ich hab sie hoch geschätzt für ihre glasklaren Beiträge


Peggy / Website (2.8.07 23:20)
@ Nadja
Danke, dass du dich hier beteiligt hast, ich komme sicher wieder bei dir vorbei.

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